Trübe Aussichten im Winter

Symbolbild: So schön sieht dreckige Luft leider nicht aus
Symbolbild: So schön sieht dreckige Luft leider nicht aus

Eine größere Lücke in der Chronologie dieses Blogs kommt normalerweise nur im langen Sommerurlaub vor. Diesmal ist der Winterblues Schuld, den ich aber auch mal hier dokumentieren möchte. Denn es ist ja nicht nur alles eitel Sonnenschein im Expat-Leben am anderen Ende der Welt. Die Kälte, die Korea immer noch fest im Griff hat, ist dabei nur ein Problem. Viel unangenehmer ist die schlechte Luft, auf koreanisch 미세먼지 (Miesemonchi). Die Feinstaubwerte liegen hier zwar deutlich unter denen in China, aber sie übersteigen doch an sehr vielen Tagen den Wert, der hier noch als "gesund bzw. moderat" bezeichnet wird. Die Aussicht ist dann trüb, tatsächlich sieht es staubig aus und die ganze Atmosphäre schlägt sehr aufs Gemüt. Denn die Flucht in geschlossene Räume mit Luftreinigern ist ja auch nicht immer das Wahre.

Außerdem werden wir hier natürlich auch ein bisschen von der politischen Lage durchgerüttelt. Südkorea macht sich Sorgen, wie es unter Trump mit Nordkorea weitergeht, leidet unter dem chinesischen Wirtschaftsdruck und verfolgt gebannt Räuberpistolen wie die Ermoderung Kim Jong-Nams. Am stärksten bewegen das Land derzeit jedoch die Korruptionsvorwürfe rund um die derzeit abgesetzte Präsidentin, wegen denen unter anderem der Samsung-Chef hinter Gittern sitzt. Trotz Winter gehen hier an etlichen freien Tagen hunderttausende Bürger seit Monaten auf die Straße und demonstrieren für eine Demokratie ohne Korruption. Die ganze Situation läßt das Land politisch gerade fast handlungsunfähig dastehen, der entschlossene Bürgerprotest beeindruckt aber schon sehr. Mitte März will das Verfassungsgericht über die Rechtmäßigkeit der Präsidenten-Absetzung entscheiden, dann wird die Situation klarer - und es tritt hoffentlich wenigsten an dieser Stelle Beruhigung ein.

P.S.: Das Bild oben stammt übrigens aus einer Ausstellung von Olafur Eliasson (The parliament of possibilities) im Leeum-Museum. Und damit dieser Eintrag nichtallzu ernst endet, hier noch ein paar Bilder:

Neue Lieblingsfarbe: Weiß

Eingeschneiter Gyeongbokgung: das gibts nur alle Jubeljahre
Eingeschneiter Gyeongbokgung: das gibts nur alle Jubeljahre

Schneefall in Seoul! Wie ungewöhnlich anhaltender Schneefall in der koreanischen Hauptstadft ist, ließ sich schon vorab erahnen: Vor bis zu 20 Zentimeter Schnee wurde nachhaltig gewarnt. Tatsächlich haben dann auch einige Schulen und Kindergärten geschlossen gehabt. Und das Auto vernünftig vorwärts zu bewegen, fiel einigen sichtlich schwer. Dramatisch war der Schneefall dann aber nicht, sondern einfach nur schön!

Ich habe es wie viele andere Fotografen gemacht und mich am Wettrennen mit den Schneefegern in den königlichen Palastanlagen beteiligt. Leider haben die Schneefeger gewonnen - wie überall in der Stadt waren auch hier kleine Trupps in aller früh unterwegs und haben die Wege freigeräumt. Keine Spur von unberührter Schneedecke! Aber immerhin hat die Sonne an diesem bedeckten Tag noch ein paar Strahlen auf die Anlagen im Gyeongbokgung und Changdeokgung geworfen, sodass die beiden Palastanlagen allemal schöne Motive lieferten. Übrigens das erste mal in den drei Wintern, die wir hier schon erlebt haben.

Neuseeland-Rückschau

Tiefenentspannter Vertreter der neuseeländischen Tierwelt
Tiefenentspannter Vertreter der neuseeländischen Tierwelt

Am Ende waren es gut 3.000 Kilometer, die wir innerhalb von drei Wochen auf Tour in Neuseeland zurückgelegt haben: einmal um die Südinsel hat uns unser gemietetes Wohnmobil gebracht. Meist direkt an der Küste entlang hat die Landschaft oft gewechselt, war aber fast immer einzigartig,  wunderschön und meist rau. Das Wetter tat sein übriges: Obwohl der Sommer schon auf dem Vormarsch war und wir von Regen meist verschohnt wurden, waren die Temperaturen bestenfalls frühlingshaft. Nur im nördlich gelegenen Abel Tasman Nationalpark war es sommerlich warm - der perfekte Ausklang für unsere Auszeit vom koreanischen Winter, der uns nun wieder hat ...

On the road in NZ

In drei Wochen einmal um die neuseeländische Südinsel - das ist sportlicher, als wir erwartet hatten. Aber kein Grund zur Beschwerde, denn es ist Sommer hier und Urlaub sowieso die schönste Jahreszeit. Die Kinder stürzen sich überall ins Wasser, selbst wenn es nicht so warm ist wie im Abel Tasman Park (Foto). Hier haben wir auch ins neue Jahr reingefeiert: Happy New Year!

Ein kurzer Dezember

Schlittschuhlauf am Namsan in Seoul
Schlittschuhlauf am Namsan in Seoul

Schon Mitte des Monats schließt die Deutsche Schule ihre Pforte für drei Wochen und daher rauscht der Dezember mit seinen üblichen Feiern und Terminen nur so an uns vorbei. Die Kinder haben einen ordentlichen Schwung an Tests und Klassenarbeiten zu bestehen, sodass wir freie Zeit auch dafür gut gebrauchen können. Und was dann noch übrig ist, verbringen die beiden mit einem befreundeten Geschwisterpaar, das Seoul leider in ein paar Tagen Richtung Indien verlässt. Abschiede wie diese gehören wirklich auf die Negativ-Seite des Expats-Lebens. Hoffentlich helfen die spärlichen Einträge hier ein bisschen, die Kommunikation am Leben zu halten.

Ansonsten können wir uns ja wirklich nicht beschweren, denn wir alle blicken auf das intensivste Reisejahr unseres Lebens zurück. Die Ziele will ich gar nicht alle auflisten, da reicht ein Blick ins Archiv dieses Blogs. So kurz manche Aufenthalte auch waren, sie haben uns doch wieder weitere Regionen der Welt näher gebracht. Nicht nur wir sind gereist, in diesem Jahr hatten wir mit unseren Eltern auch die "prominentesten" Besucher bei uns in Seoul. Das hat uns - wie jeder Besuch! - sehr gut gefallen.

An den letzten warmen Tagen

Steinpagode auf dem Namsan (südlicher Berg) in Gyeongju
Steinpagode auf dem Namsan (südlicher Berg) in Gyeongju

Auf den anstrengend schwül-heißen Sommer folgt in Korea in der Regel ein kurzer Herbst, bevor der Winter seinen eisigen Griff um das Land legt. Erste Frostnächte geben derzeit einen Vorgeschmack darauf, doch im Moment scheint der Herbst das beste aus seiner kurzen Zeit herausholen zu wollen. Noch immer sind vereinzelte Tage sehr warm, wir haben gleich ein ganzes Wochenende mit angenehmen Temperaturen im südlich gelegenen Gyeongju verbracht. Die ehemalige Residenzstadt des Shilla-Reiches (Ende erstes Jahrtausend n.Chr.) wartet mit mehreren Weltkulturerbestätten auf, eine davon ist der Namsan. Auf dem malerisch gelegenen Berg überraschen Pagoden und zahlreiche Buddah-Statuen und -Reliefs bei Wanderungen in der Natur. In der Stadt läßt sich gut koreanisch Essen und die Übernachtung im traditionellen Stil gleich neben den Königsgräbern ist wirklich empfehlenswert. Uns hat die Pension 셔블 (Syeobul) sehr gut gefallen: Neu aber authentisch, u.a. mit Fenstern nur aus Hanji-Papier.
Zurück in Seoul hat uns die Herbstoptik unerwartet stark fasziniert: Mitten in der Stadt verdecken derzeit knallgelbe Ginkoblätter in Kombination mit feuerrotem Ahorn den klaren blauen Himmel. Unter solch einem Blätterdach wird man fast schon andächtig ...

Der nahe Westen

Der Himmelstempel bei Vorzeigewetter in Peking
Der Himmelstempel bei Vorzeigewetter in Peking

Alles eine Frage der Perspektive: Direkt nebenan, zwei Flugstunden nach Westen, liegt das Reich der Mitte mit seiner Hauptstadt Peking und der sagenhaften Chinesischen Mauer. Acht Tage der Herbstferien haben wir genutzt, um uns dort etwas umzutun. Und wir hatten von allem etwas: Extremen Großstadtsmog und klare Sicht mit blauem Himmel; enges Gassen-Wirrwarr und großzügige Tempel- und Palastanlagen; Ballungsraum und tolle Naturlandschaft. Auch nicht zu unterschlagen ist die kross geröstete und sehr leckere Peking-Ente. Unter kulinarischen Gesichtspunkten hat uns aber auch das einfache Essen (Dumplings) sehr zugesagt. Nur von den Skorpionen, Seepferdchen und Heuschrecken am Spieß haben wir die Finger gelassen - auch wenn Sie auf dem Nachtmarkt der Hingucker waren.

Unschlagbar als optisches Highlight ist aber die Große Mauer, die sich nördlich von Peking über Hügel und Berge schlängelt. Einige Abschnitte sind restauriert und gut besucht, andere Mauerwege mussten wir uns fast nur mit Bergziegen teilen ...

P.S.: Auch wenn wir aus Korea schon einiges gewöhnt sind, so haben wir in Peking dann doch die extremste Form an Foto-Attacken auf uns, bzw. die Kinder erlebt, Photobombing inklusive.